Geschichte, Gegenwart und Zukunft Proras


Das von der NS-Organisation "Kraft durch Freude" für 20.000 Urlauber geplante "KdF-Seebad Rügen" in der Nähe des Ostseebades Binz ging nie in Betrieb, wurde aber in der zeitgenössischen Propaganda als Beispiel für die sozialpolitischen Errungenschaften hervorgehoben. Der Massentourismus für den "deutschen Volksgenossen" sollte sich in monumentalem Rahmen abspielen.

1936 wurde der Grundstein gelegt, 1940 sollten die ersten Touristen in Prora Urlaub machen. Doch mit Kriegsbeginn wurden die Bauarbeiten eingestellt und Prora wandelte sich zu einem Ort, der für "kriegswichtige" Zwecke " genutzt wurde: zur Ausbildung von militärischen Einheiten, als Behelfsunterkunft für Ausgebombte und Evakuierte sowie als Lazarett. Unter Einsatz von Zwangsarbeitern wurde Prora dafür provisorisch ausgebaut.

Bereits zur Zeit der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) begann der geheime Aufbau eines militärischen Standortes in Prora. In der DDR-Zeit nutzten zunächst die Kasernierte Volkspolizei (KVP) und danach die Nationale Volksarmee (NVA) das Gelände. Auch mehrere tausend Bausoldaten, die Waffenverweigerer der DDR,, eingesetzt beim Bau des Fährhafens Mukran und auf anderen Baustellen, mussten in Prora ihren Dienst ableisten.

Nach der friedlichen Revolution übernahm 1990 die Bundeswehr die viereinhalb Kilometer lange Anlage. Seit 1992 war Prora frei zugänglich. Im Norden fanden in den Jahren 2003 und 2010 die Jugendevents "Prora03" und "Prora06" statt. Im Jahr 2007 eröffnete daraufhin im Norden beim Block 5 der Jugendzeltplatz Prora. Für die ehemaligen Bausoldaten wurde am 22. Nov. 2010 (siehe: News) eine Erinnerungstafel an der Mehrzweckhalle des Jugendzeltplatzes Prora angebracht. Am 4. Juli 2011 ging die Jugendherberge Prora im Block 5 in Betrieb. Inzwischen sind die Blöcke 1 bis 4 sowie der Platz in der Mitte der Anlage an private Investoren verkauft, auch die Ruinen im Norden. In diesen Blöcken wird zur Zeit saniert, Eigentumswohnungen und Mietwohnungen entstehen, einige werden schon bewohnt. Lediglich der Block 5 befindet sich noch in öffentlicher Hand, aber der Eigentumer, der Landkreis Vorpommern-Rügen, will nun auch diesen Block an private Investoren verkaufen. Für das PRORA-ZENTRUM geht es darum, dass private Investoren die Auflage erhalten, den neben der Jugendherberge liegenden Innenhof mit Treppenhaus für die Bildungsstätte zu sanieren und zu langfristigen und günstigen Konditionen für eine moderne Ausstellung zur NS- und DDR-Geschichte Proras und für Bildungsarbeit zur Verfügung zu stellen.
       
(Abb. 1: Prora im Jahr 1943, Privatfoto; Abb. 2: Trotz des Regens und des Sturms - Gruppenfoto bei der Erinnerungstafel, Privatfoto )